Geschichte der „Cercles des Naturalistes de Belgique a.s.b.l.
(Verband der belgischen Naturfreunde G.o.E.

Nach einer beruflich bedingten Reise seines Vaters nach Kanada hat der jugendliche Léon Woué vier seiner Mitschüler des königlichen Athenäums von Binche die Gründung eines Verbandes junger Naturalisten (CJN) vorgeschlagen, wie demjenigen, den er in Montreal kennen gelernt hatte. Der CJN Kalm, einer der zahlreichen durch Marie-Victorin und Adrien Rivard ab 1931 hauptsächlich in der Provinz Quebec gegründeten Gruppierungen hatte Léon Woué bei außerschulischen Tätigkeiten des Mont Saint-Louis in 1954 aufgenommen. In Binche unterstützt der Prefekt Louis Jeronnez, ein außergewöhnlicher Wissenschaftler, die Initiative von Léon Woué. So fanden sich am 16. Mai 1957 im Geographiesaal der Schule 28 Schüler und Professoren (die Herren G. Bastin, A. François, S. Glotz, J. Henrion) und der Prefekt zur Gründungsversammlung ein. Der erste Vorstand setzte sich aus folgenden Personen zusammen: Präsident: Léon Woué, Vize-Präsident: Camille Declercq, Schriftführer: Robert Ramboux, Kassierer: Jean-Louis Rainchon, Dokumentation: Pierre Deneufbourg. Kurz danach fand die erste Exkursion unter der Leitung von Jacques Davignaud zur Abtei von Aulne statt. Dieser erfahrene Botaniker und Pädagoge unterstützte die Vereinigung bis im Jahre 2006, in welchem der sehr lange Jahre aktive Ehrenpräsident der CNB verstarb.
Einige Zeit später, im August 1958, fand das erste „wissenschaftliche“ Lager, der jungen Naturalisten aus Binche, in Vierves-sur-Viroin statt. Louis Jeronnez und der Freundeskreis des Athenäums (Präsident: R. Rombaux) hatten dort ein Chalet für die Schüler zur Erweiterung der Naturkenntnisse errichten lassen, höchstwahrscheinlich eine Premiere in Belgien.
Von Beginn an waren die jungen Naturalisten bei diesen Naturklassen unter Mithilfe mehrerer Professoren, mit Begeisterung dabei. Die Freunde der Botanik, der Geologie, der Ornithologie, der Astronomie.... entdeckten den außergewöhnlichen Naturreichtum des Viroin-Tales, welches schon seit 1938 durch Jacques Duvignaud erforscht wurde. Die CNB wurden in dieser Region heimisch. Das Zentrum Marie-Victorin, zuerst Ökologiezentrum genannt, wurde gegründet.
Während seines Studiums gründet Léon Woué eine Sektion in Nivelles (mit Unterstützung der Herren Dugaillez, Marteau und Ronchesne) dann in Lüttich (wo der botanische Lehrstuhl durch Professor Jacques Lambinon besetzt ist)..; 1963 findet die erste Studienfahrt zur Normandie und Bretagne statt. Diese Fahrten haben bis zum heutigen Zeitpunkt stets einen guten Erfolg.
Stets folgen neue Sektionen. 1972 wird die Vereinigung eine G.o.E. und vereinigt die Jugendlichen (CJN) sowie die Sektionen der Erwachsenen (CNB). Der berühmte Ökologe Paul Duvignaud (Vetter von Jacques Duvignaud) empfängt 1969 Léon Woué (vor einigen Jahren Professor der Biologie und Chemie geworden) im Nationalzentrum für Ökologie in Brüssel, wo Professoren und Forscher von meheren Universitäten vereinigt sind. Dies ist eine wichtige Etappe, weil Léon Woué dadurch das Zentrum Marie-Victorin von Kenntnissen und Techniken über die Ökosysteme (Wald, Kalkmagerrasen, Schutthalden...) profitieren lassen kann.
1970 findet das erste europäische Naturjahr statt. Die CNB sind in verschiedenen wallonischen Städten mit Animationen und Ausstellungen des Europäischen Rates präsent. Es gründen sich neue Sektionen an verschiedenen Orten. (Tubize mit Félix Merckx, Morlanwez-Mariemont mit Alfred Henry). Einige Sektionen lösen sich auf (fehlende Leiter), andere entstehen. Die spezielle Ausgabe des Erable beschreibt die heute bestehenden 40 Sektionen.
1973 finden die ersten Pflegemaßnahmen der Trockenrasen statt und zwar im Virointal am Ort Chamousias und in Nismes in den Schutzgebieten der Vereinigung Ardenne et Gaume sowie in Dourbes und Olloy. Andere Verbindungen mit Ardenne et Gaume bestehen seit 1958. Sie bestehen auch noch im Jahre 2007 zur Zufriedenheit der Verantwortlichen von beiden Organisationen.

1973 schließen sich die CNB auch der „Entente Nationale pour la Protection de la Nature „ (ENPN) – Nationale Gruppierung zum Schutze der Natur – an, wo sie eine wichtige Aufgabe übernehmen (das Sekretariat des Verbandes ist lange Jahre in Vierves). Der Doktor Jacques Stenuit, einer der drei Präsidenten des Verbandes hat die CNB immer unterstützt.
1975 war der Beginn der Naturführer - Ausbildung . Léon Woué schlägt mehreren Freunden
(die Herren J. Barthélemy, F. Delecour, R. Fourneau, J. Stenuit, Ch. Verstraeten) diese Ausbildung mit einem Zyklus von 1 oder 2 Jahren vor. Wir kennen heute den großen Erfolg dieser Ausbildung. Einige der ersten Ausbilder (R. Fourneau, J. Stenuit, L. Woué, ) sind auch im Jahre 2007 noch mit dabei (Bon-Secours, Brüssel, Lüttich (neue Formel), Neufchâteau und Vierves). Zahlreiche andere Ausbilder sind zu dieser ersten Mannschaft hinzugestoßen. Eine Ausbildung in deutscher Sprache in Eupen (Haus Ternell) erfolgt unter Mitwirkung der CNB.
Über 2000 Diplome (geschützter Titel) sind an begeisterte Naturführer ausgehändigt worden, die Botschafter zum Erhalt der Natur und zum Schutze der Umwelt geworden sind. Viele sagen, daß diese Ausbildung ihr Leben verändert hat.
Im Jahre 1977 besuchen Léon Woué und Camille Cassimans (welcher sich sehr engagiert und 1981 steter Sekretär der CNB wird) das Ursprungsland und werden sehr herzlich in den verschiedene CJN in Quebec empfangen.
Im gleichen Jahr schlägt Léon Woué den Gemeinden Doische und Viroinval vor den Naturpark Viroin-Hermeton zu gründen. Der Gründer-Präsident übernimmt die Leitung des Parks bis Ende 2003. Heute ist er Mitglied der Verwaltungskommission und beteiligt sich aktiv an der Neufassung des Gesetzes über die Naturparke beim Hohen Wallonischen Rat zum Schutze der Natur sowie der durch den Minister B. Lutgen geschaffenen Arbeitsgruppe.
1977 führt die CNB eine Machbarkeitsstudie über den besagten Naturpark mit der Unterstützung durch die agronomische Universität von Gembloux durch.
1980 organisieren die CNB für die „Nationale Gruppierung zum Schutze der Natur“ in Vierves-sur-Viroin und in Matagne-la-Grande, den Nationalen Tag zum Schutze der Natur. Über 3.000 begeisterte Teilnehmer fordern eine baldige Gründung von Naturparks in Belgien.
1982 findet im Europäischen Zentrum in Olloy eine CNB Tagung statt, wo Vertreter aus verschiedenen Ländern die existierenden Gesetzgebungen über Naturparke vergleichen.
Der Minister Valmy Féaux fordert die CNB, gemeinsam mit dem Verband zum Schutze der Natur sowie mit Inter-Envirronement Wallonie, ein Dekret für die Naturparks in der Wallonie zu erstellen. Dieses Dekret tritt im Juli 1985 in Kraft.
Die CNB haben somit eine wichtige Rolle zur Schaffung von mehreren Naturparks in der Wallonie gespielt und unterhalten Kontakte mit mehreren Naturparks in anderen Ländern, insbesondere in Frankreich.
1987 im Europäischen Jahr der Umwelt, erhalten die CNB den ersten Preis für die Verwirklichung des Naturparks Viroin-Hermeton, die Pflege der Kalk-Magerrasen (durch die Initiative der CNB grasen erste Schafe am Ort Chamousis) und der Schaffung der ersten Kläranlage in wiederhergestellten Sumpfgebieten in Doische.
Im gleichen Jahr gründen die CNB die Gesellschaft DIVEGESEM ( Pflanzenvielfalt zwischen Sambre und Maas) und später die Kooperative DIVEGECO für die Kultur und Verarbeitung von medizinalen Pflanzen. Dieses Entwicklungsprojekt ist ein Teilstück der wirtschaftlichen Entwicklung im Naturpark Viroin-Hermeton.
DIVEGESEM und das Zentrum Marie-Victorin schlagen den Landwirten einer großen Region in der Provinz Namur Maßnahmen im Agrar-Umweltbereich vor (MAE), zu gleicher Zeit wird das Zentrum Marie-Victorin mit der Universität der Agrarwissenschaften in Gembloux vereinigt wodurch die Forschungsaktivitäten in Vierves und Umgebung verstärkt werden. Von 1992 bis zum Jahre 2000 beteiligt sich die Gesellschaft an zahlreichen Projekten zum Erhalt der Natur. In dieser Zeit wird das Zentrum Marie-Victorin mit verschiedenen Aufträgen in der Wallonischen Region beauftragt.: Das Studium einer ökologischen Vernetzung, die Kartographie von speziellen Schutzzonen (ZPS), empfindlichen Zonen der ZPS... 1995 findet in Arquennes ein wichtiges Kolloquium mit dem Thema vernetzte Zonen statt. Diese internationale Versammlung findet unter dem Patronat des Europäischen Rates statt. Insgesamt wurden 467.000 Hektar inventarisiert und kartographiert. Dieses wichtige Werk hat unter anderem zum Erstellen des Projekts Natura 2000 beigetragen.
Im Rahmen des Europäischen Jahres zum Erhalt der Natur (1995) wurden Léon Woué und
J. Stein zu belgischen Vertretern beim Europarat in Straßburg bestimmt.

Im Mai 1966 weihten die CNB in Anwesenheit des Prinzen Laurent von Belgien, den Ministern M. Lebrun und G. Lutgen sowie anderen belgischen und französischen Persönlichkeiten den restaurierten Bahnhof in Vierves als Haus der Umwelt, ein. Diese neue Infrastruktur ergänzte das vorhandene Zentrum Marie-Victorin. Heute empfängt das Zentrum 5.000 Praktikanten im Jahr, denen Lehrsäle, Laboratorien, ein botanischer Garten, ein Heilpflanzengarten, ein Hautflügler-Weg, eine umfangreiche Bibliothek, ein Baryt-Ökomuseum (in der alten Grube von Vierves) zur Verfügung stehen. Die Praktikanten können in geeigneten Räumen übernachten.
Im Jahr 2006 erwarben die CNB das Haus „Coup de Coeur“ welches Jacques Duvignaud gewidmet wurde. Die Praktikanten können dadurch eine noch angenehmere und konfortablere Unterkunft nutzen.
2006 hat das Zentrum Marie-Victorin seine Mitwirkung zum Studium und Pflege der Kalkmagerrasen im Rahmen des „Ökologischen Laboratoriums der Kalkmagerrasen“ verstärkt, dies in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten der Wallonischen Region (Abteilung Natur und Forsten sowie dem Wald, Holz und Natur - Forschungszentrum).
Während dieses langen Zeitraums hat das Zentrum Marie-Victorin mehrere internationale Kolloquien über Kalkmagerrasen, Naturparks, Mooskunde... organisiert.
Im Jahre 2007 feierte der Verband der Belgischen Naturfreunde sein fünfzigjähriges Bestehen. Eine akademische Sitzung fand am 17. Mai 2007 in Binche statt.
Im Jahre 2008 feiert das Zentrum Marie-Victorin seine fünfzigjährige Anwesenheit in Vierves. Bei dieser Gelegenheit soll ein geologischer Lehrpfad mit allen in Belgien vorkommenden Gesteinen eingeweiht werden. Wert wird darauf gelegt daß die CNB durch verschiedene Ministerien anerkannt sind: dem Ministerium der Französischsprachigen Gemeinschaft (Permanente Erziehung) dem Ministerium der Wallonischen Region (Abteilung Beschäftigung und Ausbildung und der Generaldirektion der Natur- und Umweltressourcen) , der Generaldirektion für kulturelle Angelegenheiten des Hennegau, der Nationalen Gruppierung zum Schutz der Natur, Inter-Environnement Wallonie, und selbstverständlich den CJN aus Quebec (Kanada).
Im Augenblick werden 26 Personen durch die CNB beschäftigt. 150 Ehrenamtliche sind bei der Organisation der Aktivitäten in den einzelnen Sektionen tätig. Léon Woué beglückwünscht die Personalmitglieder, die Verantwortlichen der Sektionen, ohne die die CNB nie einen so großen Erfolg verbuchen könnte.
Damien HUBAUT, auf der Basis eines Interviews mit Léon Woué